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Jahresbericht

Lesen Sie unseren Jahresbericht 2025

Bericht des Stiftungsrats und der Geschäftsleitung

Im Zentrum unseres Erfolgs: unsere Mitarbeitenden

Bevor wir das vergangene Jahr angehen, blicken wir zurück, ins Jahr 2020. Was fällt Ihnen dazu ein? Richtig. Beginn der Pandemie. In die Details müssen wir nicht gehen, Sie alle haben sich anpassen, haben gewisse Gewohnheiten vorübergehend aufgeben müssen. Viel schlimmer erging es unseren Bewohnerinnen und Bewohnern, sie waren in dieser schweren Zeit isoliert von ihren Familien, konnten keine Umarmungen erleben. Wir benutzen diesen Jahresbericht, um uns alle daran zu erinnern, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Seien wir uns dessen bewusst, seien wir dafür dankbar, wenn der gewöhnliche Alltag ein gewöhnlicher Alltag bleibt.

 

Jetzt aber zu unserem Berichtsjahr 2025.

Einer der unbestrittenen Höhepunkte: Die Sonnmatt hat in ihrer Kategorie zum Swiss Arbeitgeber Award den ersten Platz belegt. Was für eine Genugtuung für Betriebsleiter Jakob Hari mit seinem ganzen Team! Bei den Aushilfen angefangen, über die freiwilligen Mitarbeitenden bis hin zu den Kaderleuten. ALLE haben sie zu diesem Erfolg beigetragen. Bei der Ehrung ging fast vergessen, dass sich das Martinzentrum in die Top Ten einreihte. Diese Tatsache darf man nicht unterschätzen, wurde doch während der Beurteilungsperiode das Martinzentrum teilweise noch um- und ausgebaut. Diese Blumen gehen an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Franziska Hurter.

 

Wir dürfen nicht vergessen, dass es WiA beim Thuner Sozialstern in den Final und dann in die Top Three geschafft hat, aufs Podium ganz rechts. Eine Anerkennung wiederum für alle, die bei uns arbeiten. Seit 1997 wird mit der jährlichen Verleihung des Thuner Sozialsterns das Engagement von Firmen, die sich für die Eingliederung von Menschen mit einer Leistungsbeeinträchtigung aus psychischen Gründen engagieren, öffentlich anerkannt und gewürdigt.

 

2025 wurde noch aus einem anderen Grund gefeiert:

Den sechzigsten Geburtstag von WiA beging man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Thunersee mit einem grossen Fest, feine Buffets und Tanzmusik inbegriffen. Die Rückmeldungen waren entsprechend. Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wurden an beiden Standorten schöne Feste durchgeführt. Auch die Teilnahme am Thuner Stadtlauf war Teil der übers ganze Jahr verteilten Feierlichkeiten.

Mit grosser Freude durften wir auch feststellen, dass alle unsere Lernenden ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Ein bedeutender Meilenstein auf ihrem beruflichen Weg – und ein Grund zum Feiern! Im Rahmen der diesjährigen Lehrabschlussfeier, die unter dem sommerlichen Motto „Summer vibes“ stand, wurde dieser Erfolg gebührend gewürdigt. Bei strahlendem Wetter, guter Stimmung und vielen herzlichen Gratulationen konnten unsere Absolventinnen und Absolventen ihren verdienten Abschluss feiern.

Alle bisher aufgezählten Ergebnisse zeugen von einem soliden Fundament in allen Bereichen. Wir dürfen uns über ein ausgezeichnetes Ergebnis freuen, das wirtschaftlich ebenso überzeugt wie menschlich. Mehr zum finanziellen Ergebnis finden Sie in der Jahresrechnung. Wir sind stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben!

 

Wir werden nach dem erfolgten Um- und Ausbau des Martinzentrums mit der 1969 eröffneten Sonnmatt auch unser zweites Wohnheim an die Bedürfnisse und Ansprüche der Bewohnerinnen und Bewohner anpassen. Der letzte grössere Eingriff fand vor über 20 Jahren statt. Es wird mit Gesamtkosten von 46 Millionen Franken gerechnet, welche wir dank hohem Eigenkapital finanzieren können.

 

Und schliesslich brachte das Jahr 2025 mit der erfolgreichen Gesamterneuerungswahl im Stiftungsrat erfreuliche Kontinuität. Trotz dieser positiven Entwicklungen mussten wir jedoch einen schweren Verlust hinnehmen: das Ableben unseres Stiftungsratspräsidenten Peter Siegenthaler, dem WiA viel zu verdanken hat und dessen Wirken uns in dankbarer Erinnerung bleiben wird.

porträt susanna haldemann, bewohnerin Martinzentrum

Mit elf Geschwistern gemeinsam aufgewachsen

Das Foto zeigt Susanna Haldemann auf einem Poster zusammen mit ihren Enkeln

Susanna Haldemann

Geboren wird Susanna Haldemann im Eggiwil, kurz darauf zügelt die Familie ins freiburgische Montborget, wo sie in die Primar-, später in Estavayer in die Sekundarschule geht. Der Vater ist Bauer. Gemeinsam mit elf Geschwistern wächst Susanna zweisprachig auf. Sie ist stolz darauf, dass keines der Kinder verdingt wird, wie es in anderen Familien zu häufig geschehen ist, auch im Bärnbiet. «Wir mussten alle auf dem Hof mitanpacken, lernten früh, was es heisst, arbeiten zu müssen, haben aber auch Anstand mit auf unseren Weg bekommen», sagt sie. Ihre Eltern hätten auch dazu geschaut, dass Susanna eine Ausbildung als Verkäuferin abschliessen konnte, bei den «Galeries Vaudoises» in Payerne, einem Warenhaus, das es längst nicht mehr gibt.

 

Nach ihrer Lehre wird sie «zufälligerweise» für die Offiziersbar in der Kaserne Payerne bei der Luftwaffe angestellt, für zwei Jahre. Es folgen eigentliche Wanderjahre, beim Ryfflihof im Kassenbüro, bei Radio/TV Steiner und den SBB in Bern. 1973 geht sie für drei Monate in ein israelisches Kibbuz, wie viele Jugendliche in den 70er-Jahren. Allerdings fällt der Aufenthalt kurz aus, als der Yom-Kippur-Krieg ausbricht, der Sechstagekrieg zwischen Israel und Ägypten. «Wir mussten in jenen Tagen die Bunker aufsuchen, kein wirklich schönes Erlebnis», blickt Susanna Haldemann zurück. Schweizerinnen und Schweizer werden deshalb aus Israel ausgeflogen. 

 

Es dauert nach ihrer Rückkehr in die Schweiz nicht lange, bis sie am 1. November 1973 eine Stelle im Bundesamt für Wasserwirtschaft findet, wo sie acht Jahre bleibt. In dieser Zeit lernt sie auch ihren Ex-Mann kennen, 1979 «müssen wir heiraten», Tochter Franziska kommt 1980 zur Welt, zwei Jahre später folgt Schwester Katja. Susanna Haldemann lässt sich 1990 scheiden und zieht ihre beiden Töchter anschliessend allein gross, hält sich mit verschiedenen Nebenjobs über Wasser, ist sich für keine Arbeit zu schade. 

 

Sie wohnt in dieser Zeit in Münchenbuchsee, nimmt auch die Aufgabe als Hauswartin wahr, lernt einen Partner kennen, mit dem sie 2001 in Thun eine noch im Rohbau befindliche Eigentumswohnung kauft und ein Jahr später einzieht. Dem Schicksalsschlag, dass ihr Partner stirbt, folgt ein nächster: Auch ihre erste Tochter stirbt 2014 an den Folgen von Krebs und eines Tumors. «Der Krebs hat sich in unsere Familie eingenistet, auch ich hatte bereits zweimal diese schlimme Krankheit», erzählt sie uns mit sachlicher Nüchternheit. 

 

Der Tod von Franziska wirft Susanna Haldemann aus der Bahn, sie erleidet eine schwere Depression, kommt vorübergehend ins Pflegeheim Rägeboge Sigriswil. Der Leiter Pflegedienst stellt ihr eine eigene Wohnung in Thun zur Verfügung, damit sie wieder Tritt fassen kann. Nach fast fünf Jahren muss sie wegen Eigenbedarfs ausziehen, stürzt auf dem Balkon, wird ins Spital Thun eingeliefert, wo sie die Ärztin ins Psychiatriezentrum Münsingen überweisen lässt. Weshalb denn das? «Ich weiss es nicht, man hat es mir nie gesagt.» Zusammen mit ihrer Tochter Katja, zu der sie ein ausgezeichnetes Verhältnis pflegt, «nicht nur mit Katja, mit ihrer ganzen Familie», und dem PZM wird nach einer Wohnmöglichkeit in Thun gesucht, weil Susanna Haldemann unbedingt hierher zurückkehren will. Seit dem 20. Juni 2025 ist das Martinzentrum ihr Zuhause. Die 75-Jährige hofft, dass sie irgendwann in Zukunft eine geschützte Wohnung findet, damit sie wieder allein haushalten kann. Für den Moment ist Susanna Haldemann im Martinzentrum jedoch glücklich.

 

Aus der Personalzeitung wia-z, Thomas Bornhauser

Jahresbericht 2025 als PDF
franziska hurter, betriebsleiterin martinzentrum

Wohlfühlen beginnt im Raum: Wie Gestaltung unser Erleben prägt

In der Sonnmatt werden gerade die neuen Lebensräume auf dem Papier geplant – ein spannender Prozess, der viel Kreativität, Weitblick und Einfühlungsvermögen verlangt. Im

Martinzentrum wiederum machen wir uns Gedanken, wie wir unsere schönen, vor wenigen Jahren renovierten Räume, noch besser nutzen und gestalten können. In beiden Fällen geht es um mehr als nur um Möbel, Farben oder Grundrisse. Es geht um Lebensqualität. Um Atmosphäre. Um das Gefühl, willkommen zu sein. Während dieser Überlegungen wurde mir bewusst, wie stark das Design eines Raumes unsere Emotionen und unser Verhalten beeinflusst. Die Psychologie des Raumes zeigt: Unser Gehirn reagiert unmittelbar auf unsere Umgebung. Betreten wir einen hellen, offenen Raum, in dem Licht, Farben und Materialien harmonieren, schüttet unser Körper Endorphine aus – Glückshormone, die unsere Stimmung heben. Wir fühlen uns wohler, entspannter, sicherer.

Die Idee, dass der Wohnraum unsere «dritte Haut» ist – nach der eigenen Haut und der Kleidung –, gefällt mir besonders gut. Denn sie bringt auf den Punkt, wie eng wir mit unserer Umgebung verbunden sind. Räume schützen uns nicht nur vor Wind und Wetter. Sie spiegeln unsere Persönlichkeit, unsere

Geschichte, unsere Bedürfnisse. Sie können uns stärken oder schwächen, uns inspirieren oder belasten. Gerade in der Betreuung und Pflege älterer Menschen ist das essenziell. Ein Raum, der Orientierung bietet, der vertraut wirkt, der Erinnerungen weckt, kann ein Gefühl von zu Hause schaffen. Ein Lieblingssessel am Fenster, ein vertrauter Duft, ein Bild aus der Kindheit – all das sind keine Details, sondern zentrale Elemente eines würdevollen Lebensabends.

Doch nicht nur unsere Bewohnerinnen und Bewohner profitieren von durchdachter Raumgestaltung. Auch wir Mitarbeitenden verbringen viele Stunden in diesen Räumen. Ein heller Pausenraum, ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze, ruhige Rückzugsorte oder inspirierende Gemeinschaftsflächen – all das beeinflusst, wie wir uns fühlen, wie wir miteinander umgehen und wie wir unsere Arbeit erleben. Ein gut gestalteter Raum kann Stress reduzieren, die Kommunikation fördern und sogar die Zusammenarbeit verbessern. Er kann uns helfen, zur Ruhe zu kommen, neue Energie zu tanken oder konzentriert zu arbeiten. In der Architektur spricht man von «healing environments» – heilenden Umgebungen. Warum sollten wir diese Idee nicht auch auf unsere Arbeitswelt übertragen ?

Lebensräume entstehen nicht allein durch Architektinnen und Architekten. Sie wachsen durch die Menschen, die sie nutzen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir alle unsere Perspektiven einbringen – Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige, Pflegende, Hauswirtschaft, Technik, Verwaltung. Jeder Blickwinkel zählt. Jede Erfahrung ist wertvoll. 

Denn am Ende geht es nicht nur um Räume. Es geht um Beziehungen. Um das tägliche Miteinander. Um das Gefühl, gesehen und gehört zu werden. Und um die Frage: Was brauchen wir, damit wir uns wohlfühlen – heute, morgen und in Zukunft?

Jede ehrenamtliche Unterstützung hilft uns dabei, das Leben unserer Bewohnerinnen und Bewohner farbiger zu gestalten.

Wir freuen uns, Sie kennenzulernen und beantworten gerne Ihre Fragen.

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